Leseempfehlungen und Links

 

Hier finden Sie Hinweise auf Lesenswertes  zur Geschichte der Hansestadt Stralsund und des Landkreises Vorpommern-Rügen, Buchbesprechungen sowie Links zu regionalgeschichtlichen Projekten anderer Initiativen, Vereine und Menschen  

Dr. Angela Pfennig: Der Sankt-Jürgen-Friedhof zu Stralsund

Stralsund: edition Pommern 2022, 128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 15,90 €

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Auszug aus dem Vorwort:  

Im Tod spiegelt sich das Leben. Friedhöfe sind Orte, Vergangenes zu erinnern, Gegenwärtiges zu besinnen und Zukünftiges zu denken. Sie gehören zum Gedächtnis der Stadt. Der 1675 an der heutigen Hainholzstraße angelegte St.-Jürgen-Friedhof ist der älteste Friedhof außerhalb der Stadtmauern Stralsunds. Mit seiner 300-jährigen Bestattungstradition spiegelt er in historischer, kultureller und familiengeschichtlicher Hinsicht die Geschichte der Stadt wider. Als Bestattungsort ist er eng mit der Altstadt verbunden, die zum UNESCO-Welterbe „Historische Altstädte Stralsund und Wismar“ gehört. Der St.- Jürgen-Friedhof ist Begräbnisstätte zahlreicher Persönlichkeiten, ohne deren Wirken die Kulturleistungen Stralsunds nicht zu denken sind.

In einem erstmaligen Nachdruck der 1934 erschienenen Schrift „Bedeutsame Gräber auf dem St.-Jürgen-Friedhof zu Stralsund“ verweist Joachim Lorenz Struck auf die kulturgeschichtliche Bedeutung des St.-Jürgen-Friedhofs.

Dr. Angela Pfennig zeichnet einen geschichtlichen Abriss der Entwicklung der Begräbnisstätte bis in die Gegenwart und erläutert die gartenkünstlerischen und planerischen Grundideen der Anlage. Sie würdigt in biographischen Skizzen das Lebenswerk einiger Persönlichkeiten sowie das vielfältige ehrenamtliche Engagement für den Erhalt des historischen Friedhofes.

Dr. Ferdinand Struck und Ludwig Schroeder widmen sich in jeweils eigenen Kapiteln den Familien Struck und Hagemeister und deren Gräbern.

Dr. Anja Kretschmer charakterisiert den hohen kulturellen Wert der in Mecklenburg-Vorpommern einzigartigen Grabmalmauer mit ihren Wandgräbern, Grabkapellen und Schauwänden, der eine nationale Bedeutung zukommt.

Sammlung von Beiträgen zur Geschichte, Kultur, Wirtschaft, Schifffahrt, zum Bäderwesen, zum täglichen Leben Rügens von Prof. Dr. Achim Leube auf der Homepage "geschichte.ruegens.de"

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Auszug aus dem Vorwort der Homepage: 

 Der in Berlin lebende Prähistoriker Achim Leube hat sich seit 1958 intensiv mit Rügen und seinem Umfeld beschäftigt. Die hier dargestellten Beiträge zur Geschichte, Kultur, Wirtschaft, Schifffahrt, zum Bäderwesen, zum täglichen Leben Rügens sind durch den Verfasser, Prof. Dr. Achim Leube, bereits vor einigen Jahren und Jahrzehnten in der damaligen „Ostsee-Zeitung“ (OZ), Kreisseite Rügen, unter der Redaktion von Hannes Giese veröffentlicht worden. Sie wurden nur gering überarbeitet, bescheiden aktualisiert und mit Bildmaterial des Verfassers ausgestattet. Eine Einarbeitung neuerer Texte – die oft nur marginal erweitern – erfolgte nicht. Seit November 2016 setzt der Autor weitere Beiträge, die in dieser Form unpubliziert sind, an dieser Stelle in das Internet. 

Geschichte der Medizin

Dr. med. Johannes Gossner: Verfolgte Stettiner Ärzte im 3. Reich - eine Listen gegen das Vergessen

Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Ausgabe 9/2022, 32. Jahrgang

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Am 12. April 1940 begann in Stettin die erste Deportation von Menschen jüdischen Glaubens aus dem Gebiet des Deutschen Reiches. Der am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weede tätige Verfasser, Dr. med. Gossner, gibt einen Überblick der (vorläufigen) Recherchen über das Schicksal der zu diesem Zeitpunkt in Stettin praktizierenden Ärzte jüdischen Glaubens. 


"Die große Sturmflut 1872" Sonderausgabe "Der Darßer", Ausgabe 36, Juni 2022

Herausgeber: Kur- und Tourismusbetrieb der Gemeinde Prerow, Ostseebad Prerow auf dem Darß, Gemeindeplatz 1, 18375 Prerow, www.ostseebad-prerow.de

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Auszug aus dem Vorwort vom Bürgermeister des Ostseebad Prerow René Roloff: "Dat giff Wader"! Erfahrene Darßer sahen das Unglück kommen. Der von West nach Nordost umspringende Sturm verhieß nichts Gutes im Herbst 1872. Und doch übertraf die Wucht der hereinbrechenden Katastrophe die schlimmsten Erwartungen. Am 13. November 1872 verheerte eine Sturmflut die Ostseeküste, wie man sie seit Generationen nicht mehr erlebt hatte. Noch heute ist sie Maßstab aller Küstenschutzmaßnahmen.

Jan von Busch: Eine besondere kunstgeschichtliche Ausprägung des Pietismus in Vorpommern: Die zahlensymbolischen Darstellungen an Altaraufsätzen des frühen 18. Jahrhunderts

in Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 2/2022, 60. Jahrgang, Herausgeber: Pommerscher Greif e.V. - Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte, Greifswald

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Auszug aus dem Geleitwort von Jana Olschewski: Mit einem kunsthistorischen Phänomen der Barockzeit macht Jan von Busch bekannt: Die zahlensymbolischen Darstellungen an Altaraufsätzen in Kirchen Vorpommerns, die mit dem Pietismus in Verbindung zu bringen sind. Deren Vorbild, besonders in und um Stralsund sowie auf Rügen, ist dem Autor zufolge im Hauptaltar der Nikolaikirche in Stralsund zu sehen. 


Dr. Andreas Neumerkel: Menschenströme zog es einst nach "Sibirien". Geschichte eines Hauses an der Sundpromenade in Stralsund.

Heft 1/2019 der vom Heimatverband M-V e.V. herausgegebenen Reihe "Stier & Greif", Seiten 14 - 19

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Zu Kaisers Zeiten ein Gartenlokal mit Kegelbahn und deutscher Bierseligkeit, in der Weimarer Republik ein Gewerkschaftshaus mit großen Festen und auch kämpferischen Veranstaltungen, im Dritten Reich ein "Haus der Deutschen Arbeit" mit noch größeren Kampfveranstaltungen und nach 1945 wieder ein Gewerkschaftshaus mit etwas heruntergekommener Gaststätte und nicht weniger Kampfveranstaltungen. Kein Gebäude spiegelt die wechselvolle Geschichte Stralsunds wider wie das noch allgemein als Klubhaus "Ernst Thälmann" bekannte Gebäude an der Sundpromenade. Das geschichtsträchtige Haus wurde nach der Wende abgerissen. 


Friederike Börner-Dräger: Streifzüge durch Stralsund

Die Hansestadt Stralsund hat für Alt und Jung vieles zu bieten:
zahlreiche Baudenkmäler im Stil der Backsteingotik, darunter das Rathaus und die bedeutenden Kirchen St. Nikolai und St. Marien, moderne Architektur wie das Ozeaneum, buntes Treiben am Hafen, Platz zum Toben oder Ausruhen am Sund, an den Teichen und den grünen Wallanlagen, Kunst und Kultur in Museen, Theater und Konzerten. Die Streifzüge durch Stralsund nehmen Kinder (und Erwachsene) auf einen spannenden und informativen Rundgang durch die Altstadt und zu Ausflügen in die Umgebung mit.

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Inhalt
· informative Texte zu Denkmälern wie Rathaus, Nikolaikirche und den Klöstern
· Hintergrundinformationen zu Themen wie Backsteingotik oder Hanse
· OZEANEUM, MEERESMUSEUM, STRALSUND MUSEUM mit Museumshaus
· Kleine Stadtgeschichte mit den wichtigsten Epochen der Stralsunder Geschichte
· Altstadtplan mit Sehenswürdigkeiten, Museen, Spielplätzen und praktischen Tipps für Urlauber
· Anhang mit Informationen zu allen Sehenswürdigkeiten und zur Freizeitgestaltung
Über 30 Rätsel machen das Buch zu einem kurzweiligen Lesevergnügen!

Gunnar Möller: Historische Flößerei im spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Vorpommern

in Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 1/2022, 60. Jahrgang, Herausgeber: Pommerscher Greif e.V. - Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte, Greifswald

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Die Flößerei in Vorpommern war einst ein bedeutender Wirtschaftszweig, der vor allem aufgrund moderner Transportmittel heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Der Autor erinnert in seinem lesenswerten, detailreichen und reich bebilderten Aufsatz an die Bedeutsamkeit des auf dem Wasserweg verbrachten Floßholzes auch für die Stadt Stralsund - gab es doch hier ebenso einen großen Bedarf an Holz als Baustoff für Profanbaute, die Dachstühle der mächtigen Kirchengebäude und nicht zuletzt im Schiffbau. 

Andre Kobsch: Stralsund Eine nostalgische Bilderreise von 1900 bis 1960

Sutton Verlag GmbH, Erfurt, 2022 

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Verlagstext: Die Jahre zwischen 1900 und 1960 waren in Stralsund mit gewaltigen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen verbunden, die den Alltag der Menschen nachhaltig veränderten und prägten. Andre Kobsch präsentiert eine kurzweilige und reich bebilderte Reise in die wechselvolle Vergangenheit Stralsunds. Rund 170 zumeist unveröffentlichte historische Ansichtskarten und Fotografien aus privaten Sammlungen dokumentieren eindrucksvoll Alltägliches und Außergewöhnliches in der Altstadt und in den Vorstädten, erinnern an das rege Vereinsleben und die aktiven Verbände , an alteingesessene Gaststätten und Hotels sowie das Militär in bewegten Zeiten. Die beeindruckenden Ansichten der Hansestadt zeigen Verlorenes, Vergessenes und Altvertrautes - eine faszinierende Stadtgeschichte in Bildern  

Kjell Åke Modéer: Die „Wende“ – Reflexionen über den Paradigmenwechsel meines Lebens. Erinnerungen an die Mauer mehr als 30 Jahre nach 1989 

Zeitgeschichte regional, Hrsg. Geschichtswerkstatt Rostock e.V., 25. Jahrgang 2021, Heft 2

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Der schwedische Rechtshistorikers Kjell Åke Modéer schildert aus seiner sehr persönliche Sicht auf die Ereignisse im Nordosten der DDR zwischen 1968 und heute seine Forschungsaufenthalte in Greifswald (und Stralsund) und mit großer Empathie auch die dort tätigen Archivare. 

Gunnar Möller: Weihnachten und Neujahr im alten Vorpommern 

Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern, Reihe V: Forschungen zur Pommerschen Geschichte, Band 57

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In für Norddeutschland einmaliger Fülle stellt das Buch vor-  und nach- reformatorische Sitten und Riten zur Advents- und Weihnachtszeit in Vorpommern vor.

Dorina Kasten: Elisabeth Büchsel  - Bilder eines schönen, starken Lebens 

Eudora-Verlag Leipzig-Karlsruhe, Ralf C. Müller, Leipzig 2021

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Die Autorin ist Museologin und Kuratorin am Stralsund Museum und zeichnet ein anschauliches Bild vom Leben und Wirken der „Tante Büchsel“, die bis 1945 als eine der bedeutendsten Malerinnen in Pommern gilt. 


Nadine Garling und Dr. Peter Danker-Carstensen: Sammler ohne Grenzen. Otto Dibbelt als Sammler und Museumsgründer in Kolberg und Stralsund

in Pommern, Zeitschrift für Kultur und Geschichte, Heft 4/2020, 58. Jahrgang, Herausgeber: Pommerscher Greif e.V. - Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte, Greifswald

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N. Garling und Dr. Danker-Carstensen haben im Zuge eines Provenienzforschungsprojekts am Deutschen Meeresmuseum Stralsund das unglaublich engagierte Wirken Otto Dibbelts - Gründer des Kolberger Heimatmuseums und des Stralsunder Natur-Museums - erforscht.

Klaus-Dieter von Fircks: Rudolf Baier Leben und Wirken

Schriften des Stralsund Museums, Band I, Hrsg. Hansestadt Stralsund, Der Oberbürgermeister, Amt für Kultur und Medien, Stralsund Museum und Förderverein Stralsund Museum e.V., Digitaldruck Kruse, Stralsund Januar 2018

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Die aus Anlass des 200. Geburtstags des ersten Direktors des heutigen Stralsund Museums soll gleichzeitig auch an das 160. Gründungsjubiläum erinnern. Der Autor würdigt kundig Leben und Wirken Rudolf Baiers, der sich große Verdienste als Sammler und Bewahrer von für die Region Vorpommern - Rügen wichtigen Kulturgütern erworben hat. 

(aus)gelesen von Jürgen Blümel 

(Erstveröffentlichung im Stralsunder Blitz am Sonntag,  Herausgeber: Mecklenburger Blitz Verlag und Werbeagentur GmbH & Co. KG,  Vorpommern-Blitz, Tribseer Damm 2, 18437 Stralsund. Wir danken dem Autor, dem Verlag und der Redaktion des Vorpommern-Blitz für das freundliche Einverständnis zur Verwendung auf unserer Homepage.)


  

Wendejahre – Stralsunder Geschichte in Bildern


Die Spannung auf dieses Buch war beim mir zumindest besonders groß. Gilt es doch als eine Fortsetzung der letzten Veröffentlichungen des bekannten Stralsunder Fotografen Harry Hardenberg. Und siehe da: Das erste Foto widmet sich der Autor selbst. Warum auch nicht! Es zeigt ihn auf dem Stralsunder Buchbasar mit gezücktem Schreibgerät, skeptischer Blick nach rechts, vor sich noch reichlich Verkaufsobjekte. Das Foto stammt von Doris Hardenberg und ist das einzige Foto von fremder Hand auf den folgenden 142 Seiten. Deutlich wird: Hardenberg ist ein Chronist, der nichts verfremdet, nichts beschönigt. Sicher, er wählt seine Motive mit bedacht, zwingt uns auch einmal rückwärts zu schauen und zu vergleichen. „Die gute alte Zeit?“, in diesem Buch gilt das geflügelte Wort wohl eher nicht. 1986 – da schien die Welt noch in Ordnung, die sozialistische Welt  ist scheinbar bunt und zukunftsorientiert. Doch Hardenberg zeigt, sparsam erst, dann deutlicher, dass die Fassade bröckelt, der Lack ab ist, die Farben verblassen. Mit Bedacht hat der Autor auch dieses Mal keine Farbfotos gewählt, so bleibt die Rückbesinnung - grau. Hardenberg beginnt seine Wendegeschichte schon mit dem Jahr 1984 zu erzählen. 750 Jahrfeier – Demonstration – Jugend trägt Losung, die eine „Blühende sozialistische Stadt am Sund“ verspricht. Dann auf der Gegenseite zugemauerte Fenster in der Altstadt. Blühende  Stadt - blühende Landschaften, das lässt stutzen. Das Versprechen sollte unter anderem Vorzeichen auch in Stralsund noch folgen. Leider hatten die „kommenden Landschaftsgestalter“ nicht unbedingt eine glückliche Hand, was auch heute noch spürbar ist. Manches wurde umgepflügt und als Brache hinterlassen. Die Fotos zeigen es. Schlange stehen, war ein „Volkssport“ für den DDR Bürger, heute wird diese Eigenschaft kaum noch gepflegt. Schon gar nicht für Bücher! 1990 stehen die Stralsunder noch immer Schlange, dann für Griechische Apfelsinen, italienische Kiwis - Kistenweise, argentinische Weintrauben – Tütenweise. Ein Traumland? Allkauf, Kaufcenter, Centro Buffet, Coca Cola. Dann Demonstrationen, mal dafür – mal dagegen. Brandt, Weizäcker, Kohl, Möllermann, Krause, Herzog, Merkel (noch sehr jung) kommen zur Stippvisite, zur Abzocke auch Hütchenspieler. Nur drei Fotos zum wirtschaftlichen Niedergang nach dem Mauerfall, ansonsten Aufbau und Konsum. Dieses Verhältnis ist unstimmig, da war viel mehr weggebrochen. BMK, TGA, Robotron, DLK, Blechpackung- alles nichts wert. Der Volkswerft hatte Hardenberg 2017 bereits einen Bildband gewidmet, deshalb kommt dieser Betrieb wohl auch etwas  „unterbelichtet“ weg. Unabhängig davon – das Zeitzeugnis bleibt, ist jetzt öffentlich und muss sorgsam betrachtet werden. Ich für meinen Teil tat es teilweise sogar mit einem Vergrößerungsglas. Vorzüglich ist, dass Hardenberg zudem Episoden aus seinem Fotografendasein erzählt. Und er ist ein guter Erzähler, scharfzüngig, manches mit Skepsis, anderes mit Ironie, auch Humor. Es lohnt sich zu lesen, die Fotos genau zu  betrachten und die eigenen Geschichten vielleicht dazu erzählen. Schauen Sie nach der Lektüre ruhig mal nach hinten, in Ihre – in unsere Geschichte. Denn Geschichte macht keine Fehler. In diesem Fall, des neuen Buches von Harry Hardenberg, ist die Geschichte durchaus echt. Kompliment und bitte bald das nächste Buch. Erschienen ist es im Druck- und Verlagshaus Kruse unter ISBN 978-3-95872-074-9 und im Buchhandel erhältlich.

Maritimer Kulturwandel in Mecklenburg-Vorpommern

Veränderungen an Seestrand, Haff und Bodden seit 1990, heißt es im Untertitel, was jedoch nur die halbe Wahrheit ist. Es geht auch um Häfen und was aus ihnen geworden ist. Häfen - ehemals Handelszentren, nach 1990 umfunktioniert, darauf lenkt der Autor  seine Betrachtung. Er stellt fest: Die Ursprünglichkeit hat sich radikal verändert. Nichts blieb wie es war - Veränderungen, je nach finanzieller Gemengelage. Einstmals brachten Häfen den Reichtum, heute verzehren sie selbigen. Häfen als aufgepeppte touristische Vorzeigeobjekte. Umschlag- und Produktion, sieht man von Rostock einmal ab, findet kaum noch statt. Machtvolle Handelszentren - Fehlanzeige. Gerade die letzten zwei Jahre haben gezeigt, wie verletzlich eine alleinige touristische Ausrichtung sein kann. Hafenromantik als Synonym für Vergangenheit? Stadthäfen sind heute mehr durch Rummelromantik gekennzeichnet, als durch Geschichte. Diesen Einstieg habe ich bewusst gewählt, um Sie auf das Buch des Volkskundlers Wolfgang Streusloff neugierig zu machen. Der Autor nimmt sich analytisch den einen und anderen Hafen in Mecklenburg - Vorpommern vor. Vergibt Lob und Tadel. Architektonische Fragwürdigkeiten werden benannt. So in Wismar und Rostock, Wiek auf Rügen, Stralsund mit seiner sogenannten "Klorolle" und das eher an einen Mastkäfig erinnernde Parkhaus, in Breege die irreführend benannten "Kapitänshäuser" und und und... . Barth, Sassnitz, Greifswald, Wolgast - es ist eine spannende Zeitreise, die sich in den Orten selbst fortsetzt. Was sich dort alles zwischen Kitsch und Kunst, Krempel und Gestaltung findet, macht schon staunen. Doch Streusloff wäre kein Volkskundler, würde er sich nicht auch mit neuen maritimen Motiven beschäftigen. Auf Grabsteinen, in Trauerinseraten oder Danksagungen zum Beispiel. Zum Glück erspart er uns die Klischees von Anker, Herz und sinkender Sonne. Dann wendet er sich Volksfesten, Hafen- oder Fischerfeste zu, die maritimes Flair versprühen. Das Urteil gipfelt in der Feststellung, dass heute alles möglichst "rund um die Uhr" und "saisonverlängernd" laufen sollte. Das Geschäft mit dem Fest setzt Innovation frei, boomt, leider zunehmend ohne maritimen Unternehmen oder Unternehmungen. Scheinbar maritimes, wie Wikinger- oder Piratenfeste, werden maritim aufgepeppt, früher schon, heute erst recht. Fragwürdiges wird ausgegraben, gedankenlos übernommen. Märkte aller Art auf "maritim" getrimmt. In manchem fragt man, ob es noch Brauchtum ist oder nur eine missbrauchte Volkstümelei. Interessant immer die historische Entwicklung. Ein "trockener" Beigeschmack entwickelt sich beim lesen zum maritimen Handwerk und Gewerbe, insbesondere in Bezug auf die Küstenfischerei. Da bleibt von den einstigen Hoffnungen nichts und ist in der Gegenwart weniger als nichts geblieben. Lediglich Bootsbau, Segelmacherei, diverse Ausrüster sowie Verleiher entwickeln sich noch perspektivisch, aquch der Wassersportsektor. Aber (!), auch zukünftig nicht uneingeschränkt. Sieht man von Hafenrundfahrten, vollmundigen Angeltouren und Yachtcharter einmal ab, ist der maritime Wandel in Mecklenburg - Vorpommern ein Industriezweig auf "schwankenden Planken" geworden. Zweifeln erwünscht. Das Buch ist Mitteler zwischen gestern, heute und morgen, ein Geschichtsbuch der nachdenklichen Art.
Thomas Helms Verlag Schwerin Hardcover, 185 Farbaufnahmen, 978-3-944033-68-6 

Frank Hoffmann – Franziskanerkloster Sankt Johannis Stralsund

„Gebäude werden errichtet, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen“. Mit diesen Worten leitet Stadtarchivar Dr. Dirk Schleinert die Broschüre zum wohl augenfälligsten Stralsunder Kloster ein. Zwar ist diese Veröffentlichung nicht mehr ganz neueren Datums, sie ist ein Sonderdruck aus Anlass des 100. Geburtstages von Prof. Dr. Herbert Ewe, erschienen im Juli 2021. Der Inhalt jedoch, es geht um die reine Baugeschichte , Entwicklung und Gestaltung des Klosters zwischen 1250 und 1525, rechtfertigt durchaus, dass an dieser Stelle auf diese Veröffentlichung aufmerksam gemacht wird. Das Johanniskloster wird, wie nahezu alle Klöster Stralsunds, nur das ursprüngliche Kloster St. Annen und Brigitten bildete eine Ausnahme, an der Peripherie der Stralsunder Altstadt errichtet. Hier beginnt der Autor auch seinen bauhistorischen Streifzug und beschreibt die Erweiterungen, Um- und Ausbauten, wobei immer nur die eigentliche Klosterzeit im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Es ist von unbedingtem Vorteil, wenn der Leser sich in der Klosteranlage etwas auskennt. Zur Illustration dessen sind zahlreiche Bauskizzen und Abbildungen beigegeben, die eine Orientierung erleichtern sollen. Dennoch, ganz so einfach ist es nicht, denn beständige Veränderungen im Verlauf der Jahrhunderte am Bauwerk, machen eine Orientierung recht schwierig. Auch sind zahlreiche Bauten und Flecken gegenwärtig nicht mehr frei zugänglich. Ich erinnere mich verschwommen an den Räucherboden, als jener noch bewohnt war, an den Rosengarten, denn oftmals besuchte ich in der Klosteranlage entfernte Bekannte, spielte als Kind dort auch mit Freunden. Diese mystisch anmutende Faszination hat die Klosteranlage beibehalten, zieht Touristen und Einheimische magisch an. Die nahezu unberührte Ursprünglichkeit trägt dazu bei. Der erste und zweite Klosterhof sind jüngeren Datums, wenn man die letzten 300 Jahre betrachtet und gehörten zur ehemalige „Klosterfreiheit“, also nicht direkt zur baulichen Anlage, auch wenn diese ummauert gewesen ist. Das Kloster, errichtet in unmittelbarer Umfassung der Stadtmauer und in angrenzender Nähe zum Strelasund sowie in Nachbarschaft mit einstigen Speichern, blieb trotz räumlicher Eingeschränktheit eigentlich immer eine Baustelle. Das brachte schon die Ausrichtung des jeweiligen Ordens mit sich. Während die Benediktiner und Zisterzienser sich in der Natur ansiedelten, dort diese „gottgefällig“ urbar machten, zog es die Franziskaner und Dominikaner in die Städte, um Bildungs- und Sozialarbeit zu leisten. Unter diesen Gesichtspunkten ist wohl auch die Anordnung, Funktion und zeitliche Entstehung der Bauten und Räumlichkeiten zu verstehen, wobei die West – Ost – Ausrichtung des Kirchenschiffes die Basis der ganzen Anlage bildet. Das Johanniskloster war durch die Kliffkante zum Sund hin und der Angrenzung zum Alten Markt eingeschränkt. Dennoch Freiraum genug, um immer wieder Veränderungen vorzunehmen. Hier setzt die Arbeit von Frank Hoffmann an und ein. Es ist problematisch an dieser Stelle all die beschriebenen Forschungsergebnisse aufzulisten. Das überlasse ich besser dem Autor, dem sie sich, bei allem Fachwissen, getrost anvertrauen können, Aha-Effekte sind garantiert. Zu haben sind im ABC - Antiquariat Badenstraße von Stralsund noch einige wenige Exemplare. 

Stralsunder Geschichtsverein Home

Links

Hier finden Sie Hinweise auf interessante und wichtige Projekte 
andere Initiativen, Vereine und Menschen hinweisen


(Vermissen Sie etwas? Dann scheuen Sie sich nicht uns zu kontaktieren. Melden Sie uns auch bitte, wenn ein Link nicht mehr funktioniert. Ansonsten übernehmen wir natürlich keine Gewähr/Haftung für die Inhalte der folgenden Links). 



 Förderverein Stralsund Museum (foerderverein-stralsund-museum.de) 


 Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst e. V. – gegründet 1824 (pommerngeschichte.de) 

 AG Pommersche Kirchengeschichte (kirche-mv.de) 

 

  Pommerschen Greif e.V., Verein für Familien- und Ortsgeschichtsforschung (pommerscher-greif.de) 


(Gedenkbuch jüdisches Leben in Stralsund) www.gedenkbuch-stralsund.de  


 Historische Warenhäuser Stralsund (historische-warenhaeuser-stralsund.de) 

 Aktuelle Ausgabe - POMMERN - Zeitschrift für Kultur und Geschichte (pommerscher-greif.de)

Historische Kommission für Pommern  https://hiko-pommern.de/ 





Stralsund erstellt Onlinekatalog seiner jüdischen Mitbürger 

Stralsund hatte eine große jüdische Gemeinde vor dem Zweiten Weltkrieg. In einem digitalen Gedenkbuch sollen nun alle Lebensdaten und Lebensumstände von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern seit Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert werden. In der Radiosendung Länderreport des Deutschlandfunk Kultur wird die „Initiative zur Erinnerung an Jüdisches Leben in Stralsund“, näher vorgestellt.